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Kirchenjahr

Allgemeiner Aufbau

 

Das Kirchenjahr ist das Festjahr der Kirche. Es beginnt nicht wie das Kalenderjahr am 1. Januar, sondern mit dem 1. Advent (Ende November oder Anfang Dezember) und endet mit dem Ewigkeitssonntag (Totensonntag) Ende November. Das Kirchenjahr gliedert sich in drei große Festkreise, mit denen die Gemeinde sich das Leben Jesu vergegenwärtigt:

 

  • Den Weihnachtsfestkreis mit seinen vier Adventssonntagen, dem Weihnachtsfest und Epiphanias (auch Heilige Drei Könige genannt) am 6. Januar.
  • Den Osterfestkreis mit der Passionszeit (der Leidenszeit Jesu), dem eigentlichen Osterfest und der Himmelfahrt Jesu.
  • Den Pfingstfestkreis – auch Trinitatisfestkreis genannt – mit dem Pfingstfest, den Trinitatissonntagen, dem Erntedankfest und dem Ewigkeitssonntag.

 

So gesehen ist das Jahr der Kirche alles andere als grau wie ein dicker Terminkalender, in dem ein Tag dem anderen gleicht. Durch die Sonn- und Feiertage erhält das Jahr eine feste Struktur.

 

Alle sieben Tage ein freier Tag: ein Tag der nicht der Arbeit dient, ein Tag der nicht das Ergebnis langwieriger Verhandlungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ist, sondern der ein Geschenk ist. Wir Menschen haben diesen Tag uns eben nicht durch gute Leistungen an sechs Tagen verdient, sondern wir haben ihn von Gott geschenkt bekommen, denn Gott will keine Arbeitssklaven, die pausenlos im Einsatz sind. Gott will, daß alle Menschen einen regelmäßig wiederkehrenden freien Tag haben, damit sie sich von ihrer Arbeit erholen können, denn Gott selbst hat auch Ruhe gehalten, und er hat sein Volk Israel aus der Skaverei in Ägypten befreit. Arbeit ist deshalb nicht das Lebensziel des Menschen vor Gott.

 

Dieses Wissen gibt unseren Kalendern ein anderes Aussehen, er ist für uns nicht länger nur ein Arbeitsbuch, sondern ein Buch der Geschichte Gottes mit uns. Gott schenkt uns Zeit für uns selbst, und jeden Sonntag können wir ausspannen und ihm auch hierfür danken.

 

Die Feiertage heben dabei unser Leben in besonderer Weise aus dem manchmal recht grauen Alltag heraus und nehmen uns hinein in eine andere Welt: die Welt Gottes und seine Geschichte mit den Menschen.

 

Die Festkreise des Kirchenjahrs

 

Der Weihnachtsfestkreis

Advent bezeichnet den auf uns „Zukommenden“. Die Ankunft Gottes auf Erden, die Hoffnung auf seinen „Advent“ (= Ankunft) ist ein Grundthema der ganzen Bibel. Die vier Adventssonntage vor dem Christfest bilden die Vorbereitungszeit auf Weihnachten.

 

Weihnachten

ist der Geburtstag Jesu. Zwei Termine sind für uns wichtig: Der 25. Dezember und der 6. Januar. Der 6. Januar ist heute noch der in der orthodoxen Kirche anerkannte Geburtstag Jesu. Der 25. Dezember wurde in der Westkirche Roms im 3./4. Jahrhundert festgelegt und 325 n.Chr. von Kaiser Konstantin endgültig gesichert. Der Geburtstag Jesu verdrängte im Laufe der Jahrhunderte das Osterfest vom ersten Platz und wurde zum wichtigsten Festtag der Kirche.

 

Epiphanias

ist das Erscheinungsfest, der Tag der Heiligen Drei Könige. Am 6. Januar feiern Christen die Erscheinung des „Lichts“ (Jesu Kommen), das die Finsternis der Welt vertreibt. Aber dieser Tag erinnert auch an die Geschichte des Sterns, der die Sterndeuter zur Krippe Jesu führte. Vielfach wird auch bei uns an diesem Tag wieder die Tradition des Sternsingens gepflegt.

 

Der Osterfestkreis

Das Wort „Passion“ kommt aus dem Lateinischen und heißt „Leiden”“. Die Kirche meint damit das Leiden Jesu, dessen sie in dieser Zeit gedenkt. Die Passionszeit beginnt mit dem Aschermittwoch, 40 Tage vor Ostern. Wichtige Tage in der Passionszeit sind:

 

Palmsonntag

ist der Sonntag vor dem Karfreitag. An diesem Tag gedenkt die Christenheit des Einzugs Jesu in Jerusalem, wo er als der Messias (der Heilsbringer Gottes) freudig empfangen wurde. Doch wenige Tage später ruft die gleiche Volksmenge, daß man den Messias kreuzigen soll.

 

Gründonnerstag

ist der Gedenktag der Einsetzung des Heiligen Abendmahles beim letzten gemeinsamen Mahl Jesu mit seinen Jüngern und seiner Gefangennahme.

 

Karfreitag

ist der Tag der Kreuzigung Jesu und seines Todes. Die Kreuzigung Jesu ist für den christlichen Glauben von zentraler Bedeutung. Die Kreuzigung Jesu ist nicht ein Akt der Willkür der Mächtigen sondern entspricht dem Willen Gottes, um den Menschen hiermit zu zeigen, daß sie mit ihren Opfergaben Gott nicht versöhnlich stimmen können. Gott selber gibt sich in seinem Sohn als ein letztes Opfer hin und verdeutlicht damit, daß nicht menschliche Leistung Schuld vor Gott ungeschehen sein läßt, sondern allein Gottes gnädige Liebe, der die Menschen gerade mit all ihrer Schuld annimmt. Die Kirche sagt, Jesus Christus ist das Opferlamm, das die Schuld der ganzen Welt auf sich genommen hat, um mit seinem Tod die Menschen von aller Schuld zu befreien.

Karsamstag ist der Erinnerungstag an die Grabesruhe Jesu.Ostern

 

Ostern

ist das älteste Fest der Christenheit, es ist das Fest der Auferstehung Jesu von den Toten am dritten Tag nach seinem Tod. Jesus ist leibhaftig von den Toten auferstanden, doch ist sein Körper ein anderer, denn seine Jünger erkennen ihn nicht sofort. Die Osterzeit dauert 40 Tage und beginnt in der Nacht von Karsamstag zum Ostersonntag, dem ersten Sonntag nach dem Frühjahrsvollmond nach Frühlingsanfang.

 

Himmelfahrt

Am 40. Tag nach Ostern wird der Himmelfahrt Jesu gedacht, es ist die letzte Erscheinung Jesu vor seinen Jüngern. Jesus kehrt an diesem Tag zu seinem Vater zurück. „Himmel“ meint dabei nicht das blaue Firmament mit den weißen Wolken, sondern Himmel bezeichnet den Bereich Gottes. Auch wenn Jesus zum Vater zurückkehrt, so läßt er doch seine Jünger nicht allein zurück.

 

Pfingsten und der Trinitatisfestkreis

Man feiert dieses Fest am 50. Tag (fünfzig heißt auf griechisch „pentekoste“ = Pfingsten) nach Ostern. Es ist der Tag, an dem die Jünger den Heiligen Geist erhielten, der der Stellvertreter Jesu auf Erden ist, bis er wiederkommt. Der Heilige Geist ist bei uns und zeigt uns, wie wir zu leben haben, wie wir Gottes Wort zu verstehen haben, und er bewirkt all das Gute in uns Menschen.

 

Erntedankfest

Es wird in der Regel am 1. Sonntag im Oktober gefeiert. An diesem Fest
ezeugt der Mensch, daß er sich in der Hand Gottes weiß, daß sein Brot aus Gottes Hand stammt, und er es dankbar aus seiner Hand nimmt.

 

Reformationstag

An diesem Tag gedenken wir des Thesenanschlags Martin Luthers am 31. 10. 1517 in Wittenberg, der hiermit zu einer Reform (Erneuerung) der katholischen Kirche aufrief. Aus der angestrebten Reform entwickelte sich aber mit der Zeit die evangelische Kirche.

 

Buß- und Bettag

erinnern uns an unsere Schuld und unsere Fehler. Doch Buße ist auch etwas Positives: Buße ist das Einsehen von Schuld und Fehlern und gleichzeitig der Wille zur Umkehr zu Gott, um es mit seiner Hilfe besser zu machen und mit dem Leben immer weder neu anzufangen.

 

Ewigkeitssonntag

Er wird am letzten Sonntag des Kirchenjahres, am Sonntag vor dem 1. Advent begangen. An diesem Tag gedenkt die Gemeinde derer, die im zurückliegenden Kirchenjahr verstorben sind und setzt ihre Hoffnung auf die Auferstehung der Toten bei der Wiederkunft Christi.