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Kollekte

Im Gottesdienst sammeln wir Kollekten ein: während des Liedes vor der Predigt wird ein Klingelbeutel durch die Reihen gereicht, am Ausgang wird in einem Teller gesammelt.

 

Das Geld, das dabei zusammenkommt, überweisen wir an die im Gottesdienst bekannt gegebenen Empfänger.

Als Christen sind wir Glieder der weltweiten Kirche Jesu Christi. Deshalb unterstützen wir uns gegenseitig, wo Not am Mann ist. Dazu dienen die Kollekten. Schon in der gerade entstehenden Kirche im ersten Jahrhundert gab es Kollekten.

 

Die Erfindung der Kollekten

 

Schon die ersten Christengemeinden haben zur Gegenseitigen Unterstützung Geld zusammengelegt. Dies geschah als Diakonie, als tätige Nächstenliebe. In Antiochia zum Beispiel beschloss man, Geld für die Geschwister in Judäa und Jerusalem zu sammeln, als man von einer Hungersnot hörte.

 

 

Apostelgeschichte 11,27-30: In diesen Tagen kamen Propheten von Jerusalem nach Antiochia. Und einer von ihnen mit Namen Agabus trat auf und sagte durch den Geist eine große Hungersnot voraus, die über den ganzen Erdkreis kommen sollte; dies geschah unter dem Kaiser Klaudius.


Aber unter den Jüngerinnen und Jüngern beschloss ein jeder, nach seinem Vermögen den Geschwistern, die in Judäa wohnten, eine Gabe zu senden.
Das taten sie auch und schickten sie zu den Ältesten durch Barnabas und Saulus (Paulus).

 


Von Anfang an verstanden sich die Christen als durch Jesus Christus gesammelte Gemeinschaft. Dabei spielte es keine Rolle, dass es viele verschiedene Ortsgemeinden gab: man war die eine Gemeinde.

 

Das Kirchenverständnis unserer Gemeinde steht in den Lutherischen Bekenntnisschriften: Kirche ist für uns die Gemeinschaft der Menschen, bei denen das Evangelium gemäß der Bibel verkündigt wird und bei denen Taufe und Abendmahl wie in der Bibel beschrieben gefeiert werden. Kirche ist also die Gemeinschaft der Christen in aller Welt.

 

Auch dem Apostel Paulus war es wichtig, für die judenchristliche Muttergemeinde in Jerusalem ein Kollekte zu sammeln. Das zeigt sich zum Beispiel in 2. Korinther 8,1-24 und 9,1-15 oder Römer 15,25-29 oder Galater 2,10.

 

Diese Kollekte aus vielen Gemeinden, die er gegründet hatte, hat Paulus dann nach Jerusalem gebracht. Dort hat er sie feierlich übergeben. Vermutlich diente ihm diese Kollekte als Zeichen, dass die Heidenchristen durch Jesus Christus zum Volk Gottes hinzukommen. Diese Vorstellung beschreibt er in Röm 11,16-18. Dort gebraucht er das Bild von einem wilden Ölbaum (= die Juden), dem ein anderer Zweig (= wir) beigepropft werden und daran anwachsen.

 

So wie Israel als Gottes auswerwähltes Volk „im Heil“ wurzelt, kamen wir durch Jesus Christus hinzu, so wie die Kollekte der paulinischen Gemeinden in die Jerusalemer Gemeinde hinzukam.

 

In der Alten Kirche (ca. 3-8. Jh.) dienten die Kollekten einem anderen Zweck: durch sie wurde die Arbeit der Kirche ermöglicht.

 

 

Kollekten in unserer Gemeinde

 

In unserer Kirche heute wird ein Kollektenplan für das ganze Jahr von unserer Landeskirche aufgestellt. Darin sind zum Beispiel Kollekten für Notstandsgebiete vorgesehen oder solche für soziale Projekte, zum Beispiel Kindergärten, die Weiterqualifizierung arbeitsloser Jugendlicher, usw. Der Zweck der jeweiligen Kollekten wird in jedem Gottesdienst genannt.

 

Weiterhin gibt es zwölf Wahlkollekten: aus mehreren Vorschlägen darf eine Gemeinde auswählen, für welchen davon sie sammelt.


Auch freie Kollekten sind vorgesehen, dabei wird für einen von der Gemeinde zu bestimmenden Zweck gesammelt, zum Beispiel zur Unterstützung sozial Schwacher, der Konfirmandenfreizeit, für Baumaßnahmen oder sonstige Bedarfsfälle.

Literatur:
Jürgen Roloff, Die Kirche im Neuen Testament, Grundrisse zum Neuen Testament, Das Neue Testament Deutsch Ergänzungsreihe 10, J. Roloff (Hg.), Göttingen 1993, S. 130f.
R. Weeber, Art. Kollektenwesen, Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, Kurt Galling u.a. (Hg.), Tübingen 3. Aufl. 1965, 3. Bd. S. 1722.


Wohin das Geld aus dem Klingelbeutel geht, EKiR 2003, bei www.ekir.de.